Freitag, 24. April 2009 02:16 - Von Jens Anker
Von Berlin in die Welt hinaus - die Erfindung des Döner und die Gründung und das Betreiben des einzigen überregionalen türkischen Radiosenders hierzulande stehen heute im Mittelpunkt einer Preisverleihung über den Dächern Berlins.
Fünf Berliner Deutschtürken werden von der türkischen Kulturstiftung Tütav für ihre Verdienste um das Ansehen der Türkei im Ausland geehrt. Die Preisverleihung findet auf der Dachterrasse des Radiosenders Metropol FM statt, dessen Geschäftsführer zu den Preisträgern gehört. Die Stiftung zeichnet in der ganzen Welt Menschen aus, die für das Ansehen der Türkei werben, erfolgreich und sozial engagiert sind. In diesem Jahr zeichnet sie ausschließlich Türkischstämmige aus, die in Berlin arbeiten.
Erfinder des Döner
Mehmet Aygün ist der Erfinder des Döner Kebab und seit mehr als 30 Jahren Gastronom in Berlin. Er gründete sein erstes Restaurant in Kreuzberg, in dem auch der erste Döner in der Stadt serviert wurde. Seit 1985 führt er die Restaurantkette Hasir mit mittlerweile fünf Gaststätten in Berlin. Darüber hinaus leiten Aygün und seine fünf Brüder mehrere Hotels in der Türkei. Aygün wird wegen seiner Verdienste um die Verbreitung und Pflege der türkischen Küche in Deutschland ausgezeichnet.
Tamer Akkilic ist ebenfalls Gastronom. Er wurde vor 40 Jahren in der Türkei geboren und lebt seit 1980 in Deutschland. 1993 machte er sich als Inhaber des Restaurants Kilim in Neukölln selbstständig und betrieb parallel eine Baukantine. Seit 1998 betreibt er zusammen mit seinem Partner Kenan Erdogan, der ebenfalls ausgezeichnet wird, am Wittenbergplatz fünf Gaststätten. Außerdem rief Akkilic den Grenander-Award für besondere Verdienste um die Dienstleistung ins Leben, der in diesem Jahr von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) im Roten Rathaus verliehen wird. In seiner Freizeit engagiert sich Akkilic für jugendliche Migranten, die auf die schiefe Bahn geraten sind.
Tamer Ergün ist Geschäftsführer des Radiosenders Metropol. "Wir erhalten den Preis für unsere Brückenfunktion zwischen Türken und Deutschen", sagte Ergün gestern. Auch wenn er den Preis persönlich erhält, sieht er die Auszeichnung als Anerkennung für das ganze Team. "Wir haben zehn Jahre lang hart dafür gearbeitet", sagt Ergün. Der 42-Jährige engagiert sich darüber hinaus für die Integration. So organisiert er Veranstaltungen in der Philharmonie, um türkischstämmige Berliner mit klassischer Musik in Kontakt zu bringen, und hat zusammen mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg einen Preis für engagierte Frauen mit Migrationshintergrund ins Leben gerufen. Im Gegensatz zu den anderen Preisträgern kam Ergün erst 1992 zum Studium der Ingenieurswissenschaften nach Deutschland.
In der Abteilung Kunst zeichnet die türkische Kulturstiftung den Schauspieler Orhan Güner aus. Der 54-Jährige ist seit den 80er-Jahren in Deutschland als Schauspieler tätig. Er begann seine Karriere an der Schaubühne am Lehniner Platz in Charlottenburg und spielte in mehreren Tatort-Krimis und Fernsehspielen mit. Güner gab Gastspiele am Bremer Theater sowie am Staatstheater Ankara.
Die Tütav (Türk Tanitma Vakfi) ist eine unabhängige Stiftung, die vom türkischen Tourismusministerium in Ankara finanziert wird. Gründer ist der ehemalige Tourismus-Staatssekretär der Türkei, Kemal Baytas. Die Stiftung hat in den vergangenen 27 Jahren in 27 Ländern auf allen Kontinenten Menschen ausgezeichnet, die sich um das Ansehen der Türkei verdient gemacht haben. An der Preisverleihung heute Abend in Mitte werden zahlreiche Vertreter der türkischen Gemeinschaft in Berlin erwartet, darunter der Berliner Grünen-Politiker Özcan Mutlu und der Direktkandidat der SPD für den Bundestag, Björn Böhning.
"Wir erhalten den Preis für unsere Brückenfunktion zwischen Türken und Deutschen"